Teile und Herrsche 2 WS13-14

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Binäres Suchen

Wann immer ein Gegenstand oder eine Information gesucht werden muss, gibt es verschiedene Herangehensweisen. Um einen Eintrag im Duden oder eine Abfahrtszeit im Bahnfahrplan zu finden, kann durch einen Vergleich der vorangehenden oder nachfolgenden Einträge bereits nach einem Ausschlussverfahren vorgegangen werden. Hierbei handelt es sich allerdings schon um "sortierte Listen". Sucht man dagegen etwas in einer "unsortierten Liste", wie etwa eine Schraube in einer "Restekiste" mit diversen Schrauben, prüft man elementeweise, ob das gesuchte Element (die Schraube) in der Liste (die Schraubenrestekiste) vorhanden ist. Ist im ungünstigsten Fall die gesuchte Schraube das letzte Element, ist der Aufwand \mathcal{O}(n). Entsprechend hat die Suche einen linearen Aufwand und ist für besonders große Listen (Nadel im Heuhaufen) nicht zu empfehlen. Implementiert in Scheme würde eine solche Suche folgendermaßen aussehen:

Die Nachteile dieses Suchalgorithmus liegen auf der Hand:

  • Mit wachsender zahl der Elemente steigt der Aufwand linear
  • Ist das Element nicht enthalten, wird in jedem Fall die Liste komplett durchsucht

In einer aufsteigend sortierten Liste erlaubt eine kleine Modifikation des Algorithmus den Abbruch der Suche, falls das Element nicht in der Liste vorhanden ist:

Nach wie vor zeigt der Worst case (Das gesuchte Element ist immer das Letzte oder nicht vorhanden), dass hier ein linearer Aufwand vorliegt.

Um also einen geringeren Aufwand zu erreichen, soll bei der Suche nun systematisch vorgegangen werden. In dem Beispiel mit der Suche eines Wortes im Duden wird der Duden mittig aufgeschlagen und anschließend je nach Anfangsbuchstaben des gesuchten Wortes der Vordere oder hintere Teil des Dudens erneut halbiert bis die Zielseite gefunden ist. Der Suchraum wird auf diese Weise immer halbiert und die Zielseite wird deutlich schneller gefunden.

Für die binäre Suche reduzieren wir das Suchproblem auf eine Liste mit n Elementen aus dem Zahlenbereich der ganzen Zahlen \mathcal{\mathbb{Z}}:

\mathcal{L=\{e_{1}, e_{2}, \dots ,e_{n}\}}
mit \mathcal{e\in\mathbb{Z}}
und \mathcal{n\in\mathbb{N}}


Zuerst muss die Liste in zwei Teillisten geteilt werden. Bei einer ungeraden Anzahl von Listenelementen wird abgerundet (floor).

\mathcal{k=\lfloor\frac{n}{2}\rfloor}
mit \mathcal{k} als mittlestem Listenelement der Liste \mathcal{L}

Anschließend gibt es eine linke und eine rechte Teilliste:

\mathcal{L_{l}=\{e_{1}, e_{2}, \dots , e_{k}\}}
\mathcal{L_{r}=\{e_{k+1}, e_{k+2}, \dots , e_{n}\}}

Ist \mathcal{x} das gesuchte Element, wird \mathcal{x} mit dem ersten Element der rechten Teilliste verglichen \mathcal{x < e_{k+1}}. Das Ergebnis entscheidet darüber, ob mit der rechten oder linken Teilliste fortgefahren wird. Die neue Teilliste wird so lange rekursiv verarbeitet, bis \mathcal{x} gefunden wurde oder alle Teillisten untersucht wurden. Bestenfalls ist das erste Element \mathcal{e_{k+1}} der Teilliste \mathcal{L_{r}} bereits das gesuchte Element \mathcal{x}.

Die rekursive Bildungsvorschrift zur binären Suche kann folgendermaßen angegeben werden:

\mathcal{ \mathit{BiSu} = \begin{cases} {\mathit{BiSu}}\left(L_{1}\right), \ \mbox{$wenn$}\ x < e_{k+1} \\ \mathit{BiSu}\left(L_{r}\right), \ \mbox{$wenn$}\ x > e_{k} \\ \mathit{print}\left(e_{k}\right), \ \mbox{$wenn$}\ k = e_{k} \\ \mathit{nicht\ Enthalten}, \ \mbox{$wenn$}\ k < 0\ \mbox{$oder$}\ k > n \\ \mathit{nicht\ Enthalten}, \ \mbox{$sonst$}\end{cases} }

Mit der binären Suche ist es möglich, in einem Duden mit 140.000 Stichwörtern und 1216 Seiten mit höchstens \mathcal{17} (\mathcal{\approx \log_2 140000}) Wortvergleichenvergleichen jedes Wort zu finden.

Das Verfahren

Nicht nur bei der Suche von Schrauben in einer Kiste, sondernauch für die Suche von Informationen (z.B. Duden, Telefonbuch, Bahnfahrplan) ist eine effiziente Suche sehr vorteilhaft, da durch ineffiziente Verfahren sehr viele Ressourcen unnötig gebunden werden können.

In einer aufsteigend sortierten Gesamtliste

\mathcal{G = \left( a_1,a_2,\dots, a_k, a_{k+1},\dots,a_n \right)}

erfolgt die Suche von \mathcal{x} durch die Suche in den beiden Teillisten \mathcal{L = \left( a_1,a_2,\dots, a_k \right)} und \mathcal{R = \left(a_{k+1}, a_{k+2},\dots, a_n \right)}. Ausgehend von \mathcal{n} als Zweierpotenz erfolgt die Zerlegung mit \mathcal{k = n\div2}. In der Implementierung wird \mathcal{k = \lfloor \frac{n}{2} \rfloor} verwendet.

Im Suchvorgang wird \mathcal{x} stets mit dem ersten Element \mathcal{a_{k+1}} aus der rechten Teilliste \mathcal{R} verglichen. Stimmt \mathcal{x} mit \mathcal{a_{k+1}} überein, ist das Ergebnis der Suche \mathcal{a_{k+1}}. Andernfalls wird bei \mathcal{x<a_{k+1}} die Suche in der linken Teilliste \mathcal{L }, bzw. bei \mathcal{x> a_{k+1} } in der rechten Teilliste \mathcal{R} unter der Voraussetzung, dass die zu durchsuchende Teilliste nicht leer ist, fortgesetzt.

Scheme-Implementierung

Um eine Implementierung in Scheme zu realisieren, benötigen wir die bereits im Kapitel über mergesort thematisierte Funktion "teillisten2".

Scheme-Implementierung der binären Suche:

Zur Demonstration der Korrekten Arbeitsweise des Algorithmus ist hier eine Liste explizit angegeben. Es können auch Prozeduren verwendet werden, die eine Liste mit Zufallszahlen ausgeben.

Um nicht nur zu erfahren, dass das gesuchte Element gefunden wurde, sondern zusätzlich dessen Position ausgegeben zu bekommen, muss der Algorithmus erneut angepasst werden. Auch die Anzahl der Rekursionsschritte ist für eine Aufwandsanalyse sehr aussagekräftig, weshalb auch diese berücksichtigt wird. Zuerst müssen daher Zähler für die Aufrufe und Rekursionsschritte definiert und in den vorhandenen Code integriert werden.

Eine weitere Prozedur wird zum Aufruf der binären Suche verwendet:

Ein Aufruf unserer neuen binären Suche ergibt dann das gewünschte Ergebnis.

Vergleich sequenzielle und binäre Suche

Da im vorangegangenen Teilabschnitt die Grundlage für eine empirische Analyse der binären Suche geschaffen wurde, soll das hier nun auch für die sequentielle Suche getan werden. So wird die Möglischkeit geschaffen, die Aufwände der beiden Suchen zu vergleichen.

Zu implementieren ist eine Variable für die Anzahl der Aufrufe, die als Index verwendet werden kann:

Es wird eine Prozedur benötigt, die die Variable "aufrufe" zurücksetzt:

Nun funktioniert folgender Aufruf:

Effizienzanalyse

Die Länge der Teillisten wird schrittweise halbiert. Besonders gut funktioniert das, wenn die Anzahl \mathcal{n} der Elemente von \mathcal{G} eine Zweierpotenz ist. Die Anzahl der rekursiven Aufrufe entspricht der Anzahl der Halbierungsschritte, also \mathcal{log_2\ n} Stück. Wird für den in jedem Schritt stattfindenden Vergleich ein konstanter Aufwand \mathcal{\mathcal{O}\left( c \right)} angenommen, beträgt der Gesamtaufwand

\mathcal{T\left(n\right) = \mathcal{O}\left( log_2 \ n\right)}.

Dies trifft für den average sowie für den worst case zu. Der best case benötigt dagegen nur einen einzigen Vergleich und arbeitet mit konstantem Aufwand

\mathcal{T\left(n\right) = \mathcal{O}\left(c\right)}

unabhängig von der Anzahl \mathcal{n}.