AuK/Greedy-Algorithmen WS13-14
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<language>Scheme</language>
== Einführung ==
Entgegen anderen Programmiermethoden, wie bspw. dem ''Dynamischen Programmieren'' oder dem ''systematischen Probieren mit Backtracking'', arbeiten '''Greedy-Algorithmen''' nach dem Motto "'''Nimm immer den besten Happen, den du kriegen kannst'''". Hierzu werden immer Entscheidungen auf Basis von lokalen (zu dieser Zeit vorliegenden) Informationen getroffen. Greedy-Algorithmen sind gefräßig und suchen sich immer die besten Stücken aus.
Auf den ersten Blick erscheint das Verfahren gut, denn der Aufwand, den man benötigt, wird wohl nicht exponentiell sein.
Die Basis eines Greedy-Algorithmus ist eine bereits vorsortierte Liste. Wird diese erweitert, werden die entsprechenden Elemente direkt an die richtige Stelle einsortiert.
== Bruchteilrucksack ==
In Erweiterung des [[AuK/Systematische_Suche_WS13-14#Varianten|0/1-Rucksackproblem]] können beim Bruchteilrucksack auch nur Teile eines Gegenstands eingepackt werden. Dabei gehen wir davon aus, dass ein Gegenstand, der zu 70 % eingepackt wurde, auch tatsächlich einen Wert von 70 % seines Gesamtwertes besitzt. Weiterhin legen wir fest, dass das Gewicht des $i$-ten Gegenstandes mit $g_i$ und dessen Wert mit $w_i$ bezeichnet wird. Damit der Greedy-Algorithmus arbeiten kann, werden die $n$ Gegenstände nach ihrem spezifischen Wert, dem Quotienten aus $w_i$ und $g_i$, absteigend sortiert.
\[ \frac{w_1}{g_1} \geq \frac{w_2}{g_2} \geq \frac{w_3}{g_3} \geq \dots \geq \frac{w_n}{g_n} \]
Die Kapazität (das Maximalgewicht) des Bruchteilrucksacks sei als $K$ definiert. Es leuchtet ein, dass $K$ immer genau erreicht wird, wenn $K$ die Summe der einzelnen Gewichte $g_i$ ist. Wählt man $K$ kleiner als die Summe der einzelnen $g_i$, so kommt der Greedy-Algorithmus zum Einsatz:
Es werden die ersten $j$ Gegenstände in den Rucksack gesteckt. Dabei erhält man $j$, indem $j+1$ das erste Element ist, das nicht mehr vollständig in den Rucksack passt. Die (eventuell noch) vorhandene Restkapazität kann nun mit einem Teil $t$ (mit $0 \leq t < 1$) des Gewichtes des $j+1$-ten Gegenstands gefüllt werden.
\[ K - \left(g_1 + g_2 + g_3 + \dots + g_j\right) = t \cdot g_{j+1} \]
Der Gesamtwert des auf diese Weise gefüllten Rucksacks beträgt nun:
\[ W = w_1 + w_2 + w_3 + \dots + w_j + t \cdot w_{j+1} \]
Aber kann man sich wirklich sicher sein, dass der Rucksack nun tatsächlich maximal gefüllt ist? Man könnte ja auch auf die Idee kommen, dass man ein Element $e$ (mit $1 \leq e \leq j$) auswählt, das nun (statt komplett) nur zum Teil $y$ (mit $0 < y < 1$) eingepackt wird. Zum Auffüllen kommt dann ein weiteres (bisher vernachlässigtes) Element $r$ (mit $j < r \leq n$) mit einem geringeren spezifischen Wert zum Einsatz, das nun zu einem Teil $z$ ($0 < z \leq 1$) eingepackt wird. Dies ergibt dann den folgenden Gesamtwert
\[ W' = w_1 + w_2 + \dots + w_e + \dots + w_j + t \cdot w_{j+1} - \left( 1 - y\right) \cdot w_e + z \cdot w_r \]
Das Gewicht des $z$-ten Teil des $r$-ten Elements stimmt mit dem Restgewicht $\left( 1 - y\right) \cdot g_e$ des $e$-ten Elements überein.
\[ z \cdot g_r = \left( 1 - y\right) \cdot g_e \]
\[ z = \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e}{g_r} \]
Setzt man nun dieses $z$ in die Gleichung für den Gesamtwert $W'$ ein, erhält man:
\[ W' = w_1 + w_2 + \dots + w_e + \dots + w_j + t \cdot w_{j+1} - \left( 1 - y\right) \cdot w_e + \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} \]
<popup name="Umformung">
Stellen wir die Gleichungen für $W$ bzw. $W'$ jeweils nach $t \cdot w_{j+1}$ um, erhalten wir
\[ t \cdot w_{j+1} = W - \left( w_1 + w_2 + \dots + w_j\right) \]
\[ t \cdot w_{j+1} = W' + \left( 1 - y\right) \cdot w_e - \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} - \left( w_1 + w_2 + \dots + w_e + \dots + w_j\right) \]
Jetzt können wir die beiden (jeweils rechten) Terme gleich setzen und erhalten
\[ W - \left( w_1 + w_2 + \dots + w_j\right) = W' + \left( 1 - y\right) \cdot w_e - \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} - \left( w_1 + w_2 + \dots + w_e + \dots + w_j\right) \]
Durch Umformung fällt der Term $\left( w_1 + w_2 + \dots + w_j\right)$ bzw. $\left( w_1 + w_2 + \dots + w_e + \dots + w_j\right)$ komplett weg (beachte: $w_e$ ist in den $\dots$ des ersten Terms enthalten!).
\[ W = W' + \left( 1 - y\right) \cdot w_e - \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} \]
\[ W' = W - \left( 1 - y\right) \cdot w_e + \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} \]
Erweitern wir nun $\left( 1 - y\right) \cdot w_e$ mit $\frac{g_e}{g_e}$, so erhalten wir die unten weiter verwendete Gleichung
\[ W' = W - \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_e}{g_e} + \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} \]
</popup>
\[ W' = W - \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_e}{g_e} + \frac{\left( 1 - y\right) \cdot g_e \cdot w_r}{g_r} \]
Wie oben festgelegt wurde, gilt $\left( 1 - y\right) \cdot g_e > 0$ und damit ergibt sich:
\[ W' = W + \underbrace{\left( 1 - y\right) \cdot g_e}_{> 0} \cdot \underbrace{\left( \frac{w_r}{g_r} - \frac{w_e}{g_e}\right)}_{< 0} \]
Hier wird deutlich, dass kein Wertzuwachs erfolgt, sondern stattdessen sogar $W' < W$ gilt. Dies zeigt als, dass der Greedy-Algorithmus das Bruchteilrucksack-Problem effizient löst.
== Aufbau eines Greedy-Algorithmus ==
Ein Greedy-Algorithmus hat im Allgemeinen folgende Bestandteile:
* Listen
** Kandidatenliste
** Resultatsliste
* Funktionen
** ''loesung?'' prüft, ob die ermittelte Resultatliste eine mögliche Lösung des Problems darstellt
** ''okay?'' prüft, ob aktueller Kandidat in Resultatliste aufgenommen werden kann
** ''naechster'' wählt nächsten Kandidaten aus
** ''modify+'' erweitert die Kandidatenliste
** ''modify-'' streicht einen nicht verwendbaren Kandidaten aus der Kandidatenliste
** ''ziel'' gibt die Resultatliste aus
=== Allgemeine Form ===
Diese Bestandteile können wir mit Scheme bzw. Racket in Form einer Prozedur angeben, die allgemein gültig ist:
<code id="5271253550680">
(define greedy
(lambda (vorgabe)
(let ((kandidatenliste '(...))
(loesung? (lambda (ls) ...))
(okay? (lambda (ls) ...))
(naechster (lambda (ls) ...))
(modify+ (lambda (x ls) ...))
(modify- (lambda (x ls) ...))
(ziel (lambda (ls) ...)))
(letrec
((helfer
(lambda (kandidaten resultat)
(cond
((loesung? resultat)(ziel resultat))
((and (null? kandidaten)(not (loesung? resultat)))
(error 'greedy "Es gibt keine Loesung"))
(else
(let* ((neuer-kandidat (naechster kandidaten))
(neues-resultat (cons neuer-kandidat resultat)))
(if (okay? neues-resultat)
(helfer (modify+ neuer-kandidat kandidaten) neues-resultat)
(helfer (modify- neuer-kandidat kandidaten) resultat))))))))
(helfer kandidatenliste '())))))</code>
Diese hier geschriebene Funktion (Quelle: xxx) kann man als Template für alle Greedy-Algorithmen übernehmen. Nur im oberen Bereich müssen die Punkte (...) durch entsprechende Funktionen angepasst werden.
=== Beispiel ===
Eine genaue Funktionsweise der oben dargestellten Prozedur wird anhand eines Geldwechsel-Beispiels verdeutlicht.
Problemstellung: Ein beliebiger Wechselgeldbetrag in Euro soll mit so wenig wie möglichen Münzen zurück gegeben werden. Damit können wir unsere Kandidatenliste in Form von Cent-Beträgen absteigend sortieren:
(200, 100, 50, 20, 10, 5, 2, 1)
Die Funktion ''loesung?'' liefert ''#t'', wenn die Summe der ausgewählten Münzen genau den gesuchten Betrag ergibt.
In der Funktion ''okay?'' wird geprüft, ob die Summe der gewählten Münzen höchstens dem geuschen Betrag entspricht. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird mithilfe der Funktion ''modify-'' der gegenwärtige Kandidat aus der Liste der potentiellen Kandidaten gestrichen. Da wir hier von einer idealen Kasse ausgehen, die unendlich viele Münzen beinhaltet, lässt die Funktion ''modify+'' die Liste der Kandidaten in diesem Fall unverändert.
Die Funktion ''naechster'' gibt immer den ersten Wert aus der Kandidatenliste zurück - ganz gleich, ob damit der Gesamtwert überschritten wird, oder nicht. Die Summe wird dann ja von ''okay?'' geprüft. Aufgrund der absteigend vorsortierten Liste können wir immer davon ausgehen, dass der höchstmögliche Kandidat geprüft wird.
Die verbleibende Funktion ''ziel'' gibt bei einem erfolgreichen Wechselvorgang die Liste der Einzelmünzen und die Anzahl der gefundenen Münzen aus.
<code id="527125355071b">
(define geldwechsel
(lambda (restbetrag)
(let ((kandidatenliste '(200 100 50 20 10 5 2 1))
(loesung? (lambda (ls) (= restbetrag (apply + ls))))
(okay? (lambda (ls) (<= (apply + ls) restbetrag)))
(naechster car)
(modify+ (lambda (x ls) ls))
(modify- (lambda (x ls) (delete x ls)))
(ziel (lambda (ls) (cons (reverse ls) (list (length ls))))))
(letrec
((helfer
(lambda (kandidaten resultat)
(cond
((loesung? resultat)(ziel resultat))
((and (null? kandidaten)(not (loesung? resultat)))
(error 'greedy "Es gibt keine Loesung"))
(else
(let* ((neuer-kandidat (naechster kandidaten))
(neues-resultat (cons neuer-kandidat resultat)))
(if (okay? neues-resultat)
(helfer (modify+ neuer-kandidat kandidaten) neues-resultat)
(helfer (modify- neuer-kandidat kandidaten) resultat))))))))
(helfer kandidatenliste '())))))</code>
<code id="52712535507a8" hidden>
(define delete
(lambda (item ls)
(cond
((null? ls) '())
((eqv? (car ls) item) (cdr ls))
(else
(cons (car ls) (delete item (cdr ls)))))))</code>
<run id="527125355084f">(geldwechsel 1764)</run>
== Verschiedene Algorithmen ==
=== Dijkstra-Algorithmus ===
'''Kürzeste Wege in Graphen'''
Das [[AuK/Verzweigen_und_beschränken_WS13-14#Das_Rundreiseproblem|Rundreiseproblem]] haben wir bereits behandelt. Die bisher hierfür bekannten Lösungsmöglichkeiten bieten nur einen exponentiellen Aufwand.
Bei dem hier betrachteten Problem gehen wir noch ein Stück weiter: Bei der Reise von Stadt $A$ nach Stadt $B$ ist für jede der unterwegs besuchten $n$ Städte wiederum eine Entfernungsmatrix gegeben, die die Entfernung zu allen umliegenden Städten beinhaltet. Dies scheint auf den ersten Blick noch mehr Aufwand zu bedeuten.
Der Algorithmus des Herrn ''Dijkstra'' benötigt einen Aufwand, der in $\mathcal{O}\left( n^2\right)$ liegt. Die Menschen ''Floyd'' und ''Warshall'' erweiterten diesen Algorithmus noch weiter, so dass hier kürzesten Entfernungen zwischen allen Städten ermittelt werden. Dieser Algorithmus hingegen arbeitet dann in $\mathcal{O}\left( n^3\right)$.
<gallery widths="400" heights="300" perrow="2">
Bild:S3dafran_S3dafran_dijkstra_1.png|Ziel soll es sein, den kürzesten Weg von '''A''' nach '''D''' zu finden.
Bild:S3dafran_S3dafran_dijkstra_2.png|Diese 4 Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung. Der kürzeste Weg ist von '''A''' nach '''B'''.
Bild:S3dafran_S3dafran_dijkstra_3.png|Bei '''B''' angekommen, haben wir wieder 3 Möglichkeiten - der kürzeste Weg dabei ist von '''B''' nach '''C'''.
Bild:S3dafran_S3dafran_dijkstra_4.png|Der kürzeste Weg von '''C''' wäre zurück nach '''B'''. Dies würde aber zu einem "Kreis" führen, deshalb ist der nächste kürzeste Weg von '''C''' nach '''G'''.
Bild:S3dafran_S3dafran_dijkstra_5.png|Da wir von '''B''' auch direkt nach '''G''' können und dies kürzer ist, als der Umweg über '''C''', streichen wir den Weg über '''C''' und korrigieren die Entscheidung. Der kürzeste Weg ist nun der Weg direkt nach '''D'''.
Bild:S3dafran_S3dafran_dijkstra_6.png|Der kürzeste Gesamtweg geht von '''A''', über '''B''' und '''G''' nach '''D''' und hat eine Gesamtlänge von 12.
</gallery>